Die Geschichte von "DIR"

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– »Reise ins bedingungslose Bewusstsein«

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Die Geschichte „Dir” untersucht den „natürlichen Zustand des Seins”, in dem wir geboren werden, wie wir ihn verlieren, wenn wir uns mit unserer Persönlichkeit identifizieren und welche Auswirkungen diese Identifikation auf unsere Gesundheit, unsere Beziehungen und unseren Geist hat. Sie handelt davon, wie wir versuchen, dem Leiden der Persönlichkeit durch Ablenkungen wie z.B. Hoffnung oder Glauben zu entkommen. Schließlich konzentrieren wir uns darauf, was passiert, wenn diese Ablenkungen nicht mehr funktionieren und die Suche nach der Ursache dieses Leidens beginnt.

Die Geschichte von „Dir” nimmt den Leser mit auf eine Reise, die Soziologie und Psychologie berührt, aber immer wieder zu der zentralen, spirituellen Frage zurückführt: „Wer ist dieses ‚Du‘, das seine Geschichte zu erleben scheint?”

Es folgt ein Auszug aus dem nun auf deutsch erschienenen Werk Die Geschichte von „Dir“ von Jez Alborough, erhältlich bei Bod und auf Amazon. Es handelt sich hierbei um den ersten Teil der zweiteiligen Reihe Leben jenseits der Persönlichkeit.

Kapitel 29 Gesundheit

Die Auswirkung der Identifikation mit der Persönlichkeit auf unsere Gesundheit

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Jez: Wie viel wir es auch versuchen, es scheint, als könnten wir dem Leiden, das aus der Identifikation mit der Persönlichkeit entsteht, nicht entkommen. Es gibt mentale Manifestationen, wie Unglücklichsein, Launen, Depression und Emotionen, und es gibt einen physischen Ausdruck, und das ist die körperliche Gesundheit.

Matthew: Willst du damit sagen, dass eine schlechte gesundheitliche Verfassung auf Persönlichkeit zurückzuführen ist?

Jez: Nein. Diese Aussage ist zu breit gefasst – und nur teilweise wahr. Wir sprechen nicht von allen schlechten Gesundheitsverfassungen; einige davon geschehen aus praktischen, wissenschaftlich bewiesenen Gründen so wie genetischen Krankheiten, Viren, verdorbene Nahrung essen oder einfach wegen Unfällen. Ebenso können Dinge im Körper schieflaufen und wir wissen nicht immer, warum. Ganz eindeutig gesagt: Ich sage nicht, dass das Leben jenseits der Persönlichkeit automatisch Freiheit von Krankheiten garantiert.

Matthew: Was sagst du dann?

Jez: Ich sage, dass die Wirkung des als Persönlichkeit identifizierten Lebens einen starken Einfluss auf die Gesundheit unseres Körpers und auch unseres Geistes nimmt.

Matthew: Laut diesem Verständnis ist also einiges an schlechter Gesundheitsverfassung vermeidbar?

Jez: Ja, definitiv. Es gibt eine unvermeidbare schlechte Gesundheitsverfassung und eine vermeidbare. Ich unterbreite hier, dass die letztere Kategorie weitaus größer ist, als die Gesellschaft anerkennt.

Matthew: Du sprichst aber nicht vom Verantwortung-Übernehmen für eine gute Ernährung und für Ertüchtigung?

Jez: Es geht weit über das hinaus. Das ist die oberste Ebene des gesunden Lebens, die allgemein unumstritten ist: Frische, unverarbeitete Nahrung essen, die voller Energie ist, das ist einfach Hausverstand. Die vermeidbare schlechte Verfassung, von der ich spreche, wird nicht davon verursacht, was du tust, sondern davon, was du glaubst zu sein. Die meisten Menschen glauben, ihre Persönlichkeit zu sein und das hat Konsequenzen für den Körper.

Matthew: Wie verursacht denn das mit der Persönlichkeit identifizierte Leben diese »vermeidbare schlechte Gesundheit«?

Jez: Um das zu beantworten, müssen wir uns ansehen, was Gesundheit ist. Wenn du es auf eine einfache Art und Weise herunterbrechen willst, könnte man sagen, dass Gesundheit einfach Energie im Fluss ist. Zum Beispiel weist eine gesunde Pflanze ein organisches System im Fluss auf. Während der Photosynthese nehmen Pflanzen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Dieses wird dann mithilfe der Energie des Sonnenlichts mit dem aus den Wurzeln hochgezogenen Wasser kombiniert, um Glukose herzustellen. Bei dieser chemischen Reaktion entsteht auch Sauerstoff, der aus den Blättern an die Umgebungsluft abgegeben wird. Bei alledem dreht sich alles um einen gesunden Energiefluss durch das System der Pflanze. Wenn sich die Bedingungen, unter denen die Pflanze lebt, ändern, z. B. wenn der Boden unterernährt ist, es nicht genug Wasser gibt oder eine andere größere Pflanze das Sonnenlicht aussperrt, dann ist der gesunde Kreislauf und Energiefluss beeinträchtigt. Wenn der Fluss abnimmt und die Systeme nicht zufriedenstellend ernährt werden, zeigen sich die Anzeichen einer schlechten Verfassung: Die Blätter welken und werden braun, und die Blumen blühen nicht.

Matthew: Ich seh’ schon, was du meinst, aber viele Leute würden sagen, dass uns mit Pflanzen zu vergleichen doch zu vereinfachend ist!

Jez: Ich spreche von Prinzipien der Natur. Wir sind Manifestationen der Natur. Wir sind Natur, also kommen auch dieselben Prinzipien zur Anwendung, obwohl der Energiefluss, die Notwendigkeiten des organischen Systems und die Symptome offensichtlich unterschiedlich sind.

Matthew: Gut, und wie wenden wir das dann auf den menschlichen Körper an?

Jez: Unser Körper besteht aus einer Reihe von biologischen Systemen, die die spezifischen Funktionen ausführen, die wir zum Leben brauchen. Alle diese Systeme sind auf einen reibungslosen Fluss von Energie (oder »Chi« in der chinesischen medizinischen Terminologie) angewiesen, um gut zu funktionieren. Ob Blut im Kreislaufsystem, Hormone im endokrinen System, Nahrung im Verdauungssystem, Lymphe zur Infektionsbekämpfung im lymphatischen System oder Sauerstoff im Atmungsapparat, es geht immer um fließende Energie. Solange das Blut, der Sauerstoff, die Lymphe usw. fließen, ist man gesund.

Matthew: Ich schätze das diametrale Gegenteil davon sieht man im Körper eines Sterbenden.

Jez: Genau, der Energiefluss in all den Systemen schließt sich allmählich ab, bis kein Fluss mehr vorhanden ist, und, letzten Endes, keine Energie. Wir haben also zwei Pole der Gesundheit: Ein gesundes menschliches Baby, das volle Funktion und Fluss in allen Energiesystemen aufweist, und denselben Körper zum Zeitpunkt des Todes, wenn dieser Fluss aufgehört hat. Dazwischen liegt das Leben dieser Person. Die Frage ist, ab wann diese Verlangsamung des Flusses, dieses allmähliche Nachlassen von Energie und Gesundheit einsetzt und sich auf das menschliche biologische System auswirkt.

Hier gibt es zwei zusammenhängende Dinge: Der natürliche Alterungsprozess (im Gegensatz zum Wachstumsprozess) und die schlechte gesundheitliche Verfassung. Sobald der Alterungsprozess beginnt, können sich damit verbundene Krankheiten bemerkbar machen. Dies geschieht in jedem menschlichen Leben, aber die Frage ist, an welchem Punkt beginnt er? Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Gruppenpersönlichkeit glaubt, dass diese Kategorie von Krankheiten im mittleren Alter auftritt; sie werden als ein unvermeidbarer Teil des Alterungsprozesses angesehen. Abgesehen von offensichtlichen Ursachen, wie z. B. Überernährung oder ungünstigen Lebensbedingungen, wird das jeweilige körperliche Leiden einfach als Pech angesehen.

Matthew: Aber es gibt doch ein Bewusstsein dafür, nicht wahr? Das sieht man zum Beispiel an den Ratschlägen der Regierung für mehr Bewegung und gesunde Ernährung…

Jez: Absolut, wir versuchen, Krankheit auf diese Weise fernzuhalten, und zwar nicht nur, weil es natürlich ist, nicht krank werden zu wollen – es geht darüber hinaus. Aus der Sicht der Persönlichkeit, die überleben und unser Ich-Gefühl aufrechterhalten will, ist Krankheit eine Bedrohung ihrer Souveränität. Krankheit ist eine Erinnerung daran, dass die Energie in unserem Körper eines Tages ganz aufhören wird zu fließen und wir sterben werden. Der Tod ist der ultimative Schlag gegen die Überzeugung der eigenen Persönlichkeit. Wenn du nicht da bist – oder vielmehr die »Idee von dir« nicht da ist –, wer wird sich dann mit ihr identifizieren und sie aufrechterhalten?

So viele Menschen versuchen, sich gesund zu ernähren und Sport zu treiben, aber selbst mit all diesen Bemühungen, Krankheiten in Schach zu halten, zeigen Statistiken, dass Krankheiten im Alter immer häufiger auftreten. Wenn Menschen älter werden, treten alle möglichen Krankheiten wie Diabetes, Herzprobleme und Arthritis auf.

Matthew: Aber du behauptest ja, dass das nicht so sein muss, dass viele dieser Krankheiten eine Auswirkung des als Persönlichkeit identifizierten Lebens sind. Wie funktioniert das?

Jez: So wie die Pflanze stressen sich unsere Körper, wenn wir nicht das bekommen, was wir brauchen. Die Pflanzen brauchen Licht, wir brauchen Liebe. Die Wunde als erste Erfahrung außerhalb der Liebe, brachte einen massiven Stressschub in unsere Systeme. Da waren wir, in der unendlichen Liebe unserer Eltern badend, einer Liebe, die uns nährte und versorgte, eine Liebe, die wir bereits brauchten. Und dann plötzlich, zum ersten Mal, war unsere Erfahrung dieser Liebe verloren. Ich sage nicht, dass es irgendwie anders hätte sein sollen, noch stelle ich mir irgendeine perfekte Welt vor, wo es so sein könnte. So war es. So ist es. Was in dieser Erforschung aber wichtig ist, ist die Konsequenzen dieses Schocks zu sehen, den Stress zu erkennen, der in ein Leben tritt, das zuvor lediglich aus der Erfahrung absoluter Offenheit bestanden hatte, ohne psychologischen Stress.

Matthew: Du meinst die Kontraktion, die als Antwort auf die Wunde entstanden ist?

Jez: Ja, und das ist der Punkt, auf den ich hingearbeitet habe: Die Kontraktion und die Verdrängung unserer Gefühle sind das Gegenteil des Flusses. Es ist ein Zusammenziehen vom sich gefühlsmäßig voll und ganz auf das Leben einlassen. Das formt uns natürlich psychologisch, aber auch physisch.

Der Ausdruck Körper-Geist wird in der Gesellschaft immer verbreiteter, was das Verständnis davon reflektiert, dass der Geist und der Körper inhärent miteinander verbunden sind. Was im Geist passiert, findet Ausdruck im Körper. Das ist kein New-Age oder ein esoterisches Glaubenssystem: Das Verständnis der Auswirkung von unterdrückten Emotionen auf den Körper wurde seit den 1950ern untersucht, zuerst von Wilhelm Reich und danach von Alexander Lowen und der Bioenergetik. Ich finde auch, dass das Wissen des Körpers in der Chinesischen Medizin hilfreich dabei ist, den Zusammenhang zwischen Symptomen und Krankheit zu verstehen. Diese Verbindung zwischen Geist und Körper kann im eigenen Leben leicht beobachtet werden, wenn du bereit bist, ehrlich und offen hinzusehen.

Matthew: Wenn ich wütend bin, kann ich richtig heiß werden im Körper.

Jez: Ja. Die Frage stellt sich: Wo ist diese Wut? Ist das ein Gefühl in deinem Kopf, oder ist es steigender Blutdruck in deinen Venen? Liegt sie im Ballen deiner Fäuste, oder in diesem Knoten in deinem Bauch? Es sind alle diese Reaktionen und noch mehr und daher verwendet man hier das Kompositum Körper-Geist. Die Sprache muss sich entwickeln, um mit unserer Ausweitung des Verständnisses für das Leben schrittzuhalten.

Matthew: Ok, du warst gerade dabei zu erklären, wie der Stress aus der Wunde in unseren Körper-Geist eintrat…

Jez: Ja, und der Körper hat diesen Stress als eine Verminderung der Effizienz seiner Funktion registriert. Zusammenfassend kann man es als einen mangelnden Energiefluss bezeichnen und schließlich als daraus resultierende Energieblockaden, die wiederum Energieengpässe in den biologischen Systemen verursachen. Im Laufe der Jahrzehnte verengen sich die Blutgefäße, der Sauerstoff zirkuliert weniger gut, die Verdauung und der Abtransport von Abfallstoffen werden behindert, und so weiter. In der Jugend bedeutet der starke Energiefluss in unserem System, dass diese Belastungen unsere Gesundheit nicht allzu sehr tangieren, aber wenn wir älter werden und unsere Lebensenergie nachlässt, verfestigen sie sich und wir werden anfälliger für ihre Auswirkungen.

Mit der Zeit beginnen sich die Blockaden im Energiefluss in physischer Substanz zu manifestieren und das führt zu Blutgerinnseln, verhärteten Arterien, Gallensteinen, Geschwüren, Herzproblemen, Schlaganfällen und so weiter.

Matthew: Würdest du mir noch mehr darüber erzählen, wie die Kontraktion zu »vermeidbaren Krankheiten« führen kann?

Jez: Ok. Fangen wir mit Gefühlen an. Gefühle manifestieren sich als Energie, die durch das Gehirn und den Körper einer Person fließen. Um die natürlichen Bahnen des Fühlens in einem Körper zu sehen, beobachte ein Kind vor der Wunde, bevor es das Verdrängen gelernt hat. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel. Stell dir Lucy inmitten einer ihrer Tobsuchtsanfälle vor, als sie ein Kleinkind war: Sie tritt und schlägt um sich, ballt die Fäuste, fletscht die Zähne, gibt Kehlkopfgeräusche von sich, zieht Grimassen und so weiter. Aber je älter sie wird, desto mehr lernt sie, wie alle Kinder, dass diese Art von Verhalten in der Gesellschaft nicht akzeptabel ist. Innerlich fühlt sie also immer noch die Wut, aber sie lernt, sie zu verdrängen. Wie ich es beschrieben habe, wird dieses natürlich entstehende Gefühl schließlich zu einer Emotion.

Matthew: Und diese unterdrückte Emotion macht uns krank?

Jez: Ja, diese unterdrückte Wut verschwindet nicht einfach, sie geht tief in den Körper und wird im Gewebe und den Zellen usw. gespeichert. Sie will erhört werden, also kommt sie auf die Weise heraus, wie sie eben kann, auch wenn es lange nach dem ursprünglichen Gefühl ist. In ihrem Aufwachsen entwickelt Lucy vielleicht ein Zähneknirschen in der Nacht oder ein permanentes Stirnrunzeln, oder es entstehen Kopfschmerzen. Das könnten alles Symptome von Leberprozessen sein, die in der Chinesischen Medizin das Organ ist, das mit Wut assoziiert wird; sie sind eindeutige Anzeichen der Emotion, die wahrgenommen werden will. Oft können die Symptome im Widerspruch zu dem stehen, was sich an der Oberfläche zeigt. Lucys Persönlichkeit mag nett und freundlich sein, aber der Körper lügt nicht: Ihre unterdrückte Wut ist abgespeichert und die Symptome verraten, was darunter vor sich geht.

Matthew: Da denke ich an einen Mann, den ich bei einem gesellschaftlichen Anlass getroffen habe. Er schien selbstbewusst und aufgeschlossen zu sein, aber als ich seine Hand schüttelte, war die eiskalt und schweißnass. Das schien nicht zu seiner entspannten Art zu passen.

Jez: Die Persönlichkeit ist Experte darin, eine Version von wie sie gesehen werden möchte zu projizieren, aber der Körper vermag eine andere Geschichte zu erzählen – diejenige, die die Person hinter ihrer Maske verstecken möchte, vielleicht eine, in der wir uns nervös oder unsicher in einem Raum voller Fremder fühlen.

Die kalte Hand ist buchstäblich ein Rückzug der Energie vom Ausstrecken, ein Mangel an Fluss, verursacht durch die Emotion der Angst. Soziale Anlässe können eine Menge Angst über wie wir wahrgenommen werden hervorrufen: Sehen wir gut aus? Werden wir von der Sippe gemocht und akzeptiert? Dies ist die Hintergrundgeschichte, die der Körper durch solche Symptome erzählt.

Es ist ganz einfach. Der Körper ist nicht so kompliziert oder trickreich wie der Verstand; er sendet keine widersprüchlichen Botschaften aus, sondern drückt klar aus, was vor sich geht. Wenn du den Code einmal verstanden hast, können diese Symptome Bände über deine Persönlichkeit sprechen, und sie können als Werkzeug benutzt werden, um herauszufinden, was wirklich vor sich geht, denn im Gegensatz zum Verstand lügt der Körper nicht. Der Mann, den du getroffen hast, trug eine Maske des ruhigen Selbstbewusstseins, aber seine feuchte Hand widersprach diesem Bild.

Die kalte Hand ist wahrscheinlich nur ein temporäres Erscheinungsbild; die Party endet, der Kerl fühlt sich entspannter – sobald er geht, sind die Symptome vorbei. Aber langfristige Persönlichkeitsmerkmale und Emotionen, die mit der Wunde beginnen, können sich im Körper festsetzen und dort kodiert werden; in Muskeln, Zellen und, was vielleicht am schädlichsten für die Gesundheit ist, in den Organen.

Matthew: Inwiefern kommen hier die Organe mit rein?

Jez: Die Chinesische Medizin lehrt, dass jede Emotion ein korrespondierendes Organ hat, in der sich diese emotionale »Ladung« physisch aufhält.

Matthew: Du hast erwähnt, dass sich Wut in der Leber lagert…

Jez: Ja und Trauer speichert sich in den Lungen und Angst in den Nieren. Da die aufgestaute Energie nicht abgebaut wird, wie es beim vollständigen Spüren von Gefühlen geschieht, führt dies zu einer fortschreitenden Anhäufung von nicht verbrauchter Energie, die die Funktion des Organs stört. Dieses Verständnis wird allmählich in einigen Heiltraditionen im Westen bekannter, aber die fernöstliche Medizin weiß schon seit Tausenden von Jahren davon.

Matthew: Die traditionelle westliche Medizin erkennt das nicht an, oder?

Jez: Nicht wirklich. In dieser Gesellschaft gilt so ein Denken als »alternativ«. In der westlichen Gesellschaft ist es üblich, Krankheiten als Pech zu sehen, den Körper als Maschine, »in der wir leben«, und der mit der Applikation von Wissenschaft und moderner Medizin, Drogen und Operationen beigekommen werden kann. Das Symptom wird behandelt, aber niemand scheint sich sehr für die Ursache zu interessieren.

Matthew: Das wirkt doch eher kurzsichtig, nicht wahr? So viel Geld fließt in Medikamente und Behandlungen, aber es gibt nicht viel Verständnis dafür, wie diese Krankheiten verhindert werden könnten, abgesehen von der Empfehlung für eine bessere Ernährung oder mehr Bewegung…

Jez: In der Wissenschaft sollte es darum gehen, die Fakten zu studieren, und zu untersuchen und herauszufinden, was wahr ist. Es ist insofern interessant, dass die westliche Medizin diese Wahrheit nicht untersuchen will. Sie erkennt an, dass der Körper vom autonomen Nervensystem gesteuert wird, aber sie ignoriert bis zu einem gewissen Grad die Tatsache, dass er auch von der Psychologie und den Emotionen, die daraus entstehen, beeinflusst wird. Es scheint mir, dass jedes Medizinsystem, das einen wichtigen Teil des Bildes ignoriert, in seinem Modell unvollständig ist.

Wenn man den Körper vom Geist trennt, fängt man an, ihn nur als physische Materie zu sehen, als eine Maschine, die wie ein lebloses Objekt repariert werden kann, wie eine Waschmaschine oder ein Auto. Das ist eine sehr kurzsichtige Herangehensweise, denn selbst wenn man die Symptome mit Medikamenten oder einer Operation behandelt, wird die zugrunde liegende Ursache der Krankheit nicht einfach verschwinden. Die Emotion will immer noch wahrgenommen werden und wird sich noch mehr aufstauen und in Zukunft weiter Probleme verursachen. Doch natürlich werden die Pharmafirmen reich, also sind sie glücklich, und die Menschen sind zufrieden, dass sie auf diese Weise behandelt werden, sie einfach nur eine Pille bekommen, und die dazugehörige Illusion, dass alle ihre Symptome auf magische Weise verschwunden sind.

Matthew: Wieso ist das so?

Jez: Es ist der gleiche Grund, warum die meisten Ärzte nicht darüber nachdenken wollen: Ihre Persönlichkeiten sind nicht daran interessiert, verdrängte Emotionen zu untersuchen, weil das eine Bedrohung für sie darstellt. Es ist viel sicherer, sich mit dem Bekannten zu beschäftigen, mit wissenschaftlichen Fakten, die man leicht quantifizieren und etikettieren kann.

Ich finde es recht schön, wie im chinesischen System die Krankheiten nicht so sehr etikettiert werden. Sie betrachten Beschwerden als Muster in der Energie, und Muster können sich ändern, sie sind im Fluss. Das bezieht sich wieder auf das, was ich vorhin über die Gesundheit als Fluss der Energie gesagt habe.

Matthew: Du bist also gegen die westliche Medizin?

Jez: Nein, überhaupt nicht. Das Verständnis der Menschen darüber wie der Körper funktioniert, ist bei beiden, der westlichen und der fernöstlichen Medizin, außerordentlich. Ich habe das Gefühl, dass die westliche Medizin im Allgemeinen kurzsichtig ist, wenn es darum geht, den Körper-Geist und auf Emotionen basierende Krankheiten zu verstehen, und das macht sie weniger ausgewogen und führt zur Abhängigkeit von Medikamenten. Es scheint, als würden wir lieber von Medikamenten abhängig werden, als uns mit der Ursache der Krankheit auseinanderzusetzen! Das ist ein Gradmesser für das Ausmaß, zu dem die Persönlichkeit nicht will, dass man sich ihrer bewusst wird.

Matthew: Man kann das an den Verkaufszahlen von Antidepressiva sehen – ich habe neulich gelesen, dass einer von elf Menschen in Großbritannien inzwischen welche nimmt!

Jez: Das überrascht mich nicht. Es ist nicht nur die körperliche Gesundheit, die leidet, wenn Emotionen unterdrückt werden; nach Jahren der Verleugnung und Verdrängung können sie sich als extremes psychisches Ungleichgewicht manifestieren. Aufgestaute Wut kann in Hass und Gewalt umschlagen, gewohnheitsmäßige Angst kann sich zu Phobien entwickeln, und Trauer kann sich zu einer lähmenden Depression auswachsen. Vom Frieden des natürlichen Zustands haben wir uns weit entfernt.

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